Amateurfunk

Hobbies, die nicht in einem der Unterforen besprochen werden
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OELFUSS
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Amateurfunk

Beitrag von OELFUSS » Di 23. Aug 2005, 01:40

Ãœber ein weiteres Hobby ist hier noch überhaupt gar nicht gesprochen worden, obwohl ich selbst sogar lizensierter Funkamateur bin: Amateurfunk.

Bei meinem Aufenthalt in London bin ich mal wieder an den Amateurfunk "erinnert" worden - dazu gleich mehr.

Zunächst einmal: was ist überhaupt "Amateurfunk"? CB-Funk kennt vielleicht jeder: da kann jeder, der sich ein Funkgerät kauft, mit anderen sprechen. Dementsprechend undiszipliniert lief zumindest früher das Ganze ab. (Hat sich vermutlich nicht geändert...)

Amateurfunk ist nur Personen vorbehalten, die eine Amateurfunklizens ihr Eigen nennen. Die wurde früher von der Oberpostdirektion nach bestandener Prüfung erteilt. Heute macht das wohl die RegTP, oder heißen die inzwischen schon wieder anders? (Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post)

Amateurfunk ist in Zeiten des Internets wohl nicht mehr so reizvoll, weil jeder mit jedem in aller Welt per eMail oder Foren oder sonstwie per Internet in Kontakt treten kann. Amateurfunk war aber vorher eine gute Möglichkeit, derartige Kontakte zu pflegen oder zu knüpfen. Dies geschah sowohl per Sprache (Telefonie genannt) als auch per Morsecode (Telegraphie). Wer Morsen durfte, auf welchen Frequenzen und mit welcher Sendeleistung man "unterwegs" sein durfte, war (und ist wohl auch noch) abhängig von der Lizens. Seinerzeit gab es A, B und C-Lizens, heute heißt das wohl anders. C-Lizens war die kleinste davon, und die erlaubte nur Telefoniebetrieb.

Ich selbst habe 1982 meine C-Lizens erhalten (ich sehe gerade: die wurde 1999 auf Klasse 2 geändert). Heutzutage darf ich, soweit ich gehört habe, sogar auch Telegraphie machen und im Kurzwellenbereich senden, da hat´s wohl weitere Änderungen gegeben. Ich bin aber nicht auf dem Laufenden, weil ich schon viele, viele Jahre überhaupt nichts mehr gemacht habe (außer meinen 1,50 Euro jeden Monat plus den jährlichen Gebühren entsprechend dem Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Geräten EMVG dafür zu bezahlen).

So, nun zu der Geschichte, warum ich überhaupt mit dem Amateurfunk um die Ecke komme: in London war ich mit meinem Sohn auf einem nahe der Tower Bridge festgemachten Kriegsschiff aus dem zweiten Weltkrieg, der HMS Belfast. Hat damals ein deutsches Kriegsschiff (Scharnhorst) versenkt. Jetzt ist das Ding ein Museum.

Und im Funkraum saß jemand, gerade so, als ob das Schiff doch noch durch die Meere fährt und regulärer Funkbetrieb stattfindet. Ich erkannte die Morsezeichen natürlich sofort: da-di-da-dit da-da-di-da. CQ heißt das, und steht für "allgemeiner Anruf". Damit teilt man den Zuhörern mit, dass man gern mit irgendjemandem Kontakt aufbauen will. Man wartet also auf irgendjemandes Antwort, wenn man CQ morst. Das habe ich meinem Sohn in diesem Moment erklärt, was wiederum der Funker mitbekam. Er hat wohl gleich gemerkt, dass ich mit seinem CQ etwas anfangen konnte, und hat die Tür aufgemacht (er saß hinter Glas) und uns hineingebeten. Während er uns sein Equipement zeigte und etliche Erklärungen abgab, derweil ich meine ganzen Englischkenntnisse vergaß und kaum in der Lage war, das zu sagen, was mir in den Sinn kam, erschien dann noch jemand in Offiziersgewand und begrüßte uns per Handschlag. Hat dem Sohn ganz gut gefallen, so eine "Sonderbehandlung". Zum Abschied bekamen wir dann noch zwei QSL-Karten. Das sind Karten, mit denen man sich bestätigt, dass man per Funk Kontakt hatte und die man sammelt, um zum Beispiel besonders weite Entfernungen nachweisen zu können.

Ein bisschen ist es vielleicht doch schade, dass dieses Hobby von der Zeit überholt wurde.
Diese Nachricht enthält Ölfarbe, Vorsicht!

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